Bauherrenhaftpflicht und Bauwesen, einfach erklärt | key4

Bauversicherung: Das Must-have für jedes Bauprojekt

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18.11.2021 | 5 Minuten

Warum eine Bauversicherung?

Die Bauversicherung kommt zeitlich begrenzt zum Einsatz, nämlich ab Baubeginn bis zur Abnahme eines Bauprojekts. Sie deckt Schäden an Personen und Dingen, die im Zusammenhang mit den Bauarbeiten passieren. Obligatorisch ist die Bauversicherung nicht, aber hinsichtlich des hohen Schadenpotenzials höchst empfehlenswert.

«Das Architekturbüro hat die Pflicht, den Bauherrn über den Nutzen einer Bauversicherung zu informieren. Der Bauherr kann diese dann selber abschliessen oder den Auftrag seiner Architektin oder seinem Architekten geben»

Martin Messerli, dipl. Maschinenbauingenieur FH, Leiter Underwriting Grosskunden, Technische Versicherungen, Basler Versicherungen

Das Hauptinteresse an einer Bauversicherung liegt beim Bauherrn, weil er die Gesamtverantwortung für das Bauprojekt trägt. Bei einem Hausbau sind oftmals mehr als hundert verschiedene Personen involviert – vom Architekten über den Bauherrn bis zu den unzähligen Handwerksunternehmen, welche die Bauleistungen erbringen. Bei so vielen Beteiligten kann nicht nur schnell ein Schaden passieren, sondern ist es in vielen Fällen schwierig, den Verursacher klar ausfindig zu machen. Das Problem liegt dann eben nicht nur in der finanziellen Belastung, sondern auch in der Verzögerung des Bauprojekts. Deshalb springt in diesem Fall die Bauversicherung bei versicherten Schäden sofort ein und sorgen dafür, dass der Schaden bezahlt und behoben wird und dadurch der Bau schnell weitergeführt werden kann.

Welche Schäden kommen am häufigsten vor?

Wir haben mit einem Baloise-Schadeninspektor gesprochen. Im Zusammenhang mit der Bauversicherung kommen Wasserschäden erfahrungsgemäss am häufigsten vor. Verursacht werden diese entweder durch fehlerhafte Ausführung oder durch Beschädigung der Leitungen während der Bauarbeiten. Solche Schäden fangen bei Kosten zwischen CHF 10’000-20’000 an, können bei einem grösseren Bauprojekt aber schnell CHF 100’000 oder mehr erreichen.

Am zweithäufigsten kommen Schäden an der Baugrube vor, zum Beispiel Böschungsrutsche, bei denen auch das Nachbargrundstück in Mitleidenschaft gezogen wird. Unfachmännische Ausführung oder fehlerhafte Planung sind die häufigsten Ursachen dafür. Bei grösseren Fällen kann ein solcher Schaden sogar mehrere hunderttausend Franken kosten.

Diese beiden Fälle gehören nicht nur zu den häufigsten, sondern auch zu den teuersten Schäden.

«Gerade bei einem Umbau gibt es viele versteckte Risiken. Je älter eine Liegenschaft, desto weniger Unterlagen sind in der Regel vorhanden. Deshalb müssen bei einem Umbau umfassende Vorabklärungen gemacht werden, wie zum Beispiel das Überprüfen der Statik oder das Abklären von bestehenden Leitungsverläufen.»

Andrea Battiston, Eidg. dipl. Bauingenieur HTL, Schadeninspektor, Basler Versicherungen

Was ist versichert?

Nehmen wir die Bauversicherung und ihre Bestandteile unter die Lupe. In der folgenden Grafik sehen Sie die wichtigsten Deckungen, die in der Bauherrenhaftpflicht und in der Bauwesenversicherung integriert sind (Liste nicht abschliessend).

Die Infografik zeigt, welche Schäden durch welche Versicherung gedeckt sind.

Bauherrenhaftpflicht

Die Bauherrenhaftpflichtversicherung deckt Schäden an fremden Personen oder fremdem Eigentum, die während der Bauarbeiten entstehen.

Ein Handweker steht auf einem Holzgerüst.
Beispiel 1:

Das Bauprojekt befindet sich im Rohbau. Wegen eines heftigen Windstosses löst sich ein Teil des Daches und stürzt auf die Strasse. Das Auto der Nachbarin wird beschädigt. In diesem Fall übernimmt die Versicherung die Reparaturkosten für das Auto.

Beispiel 2:

Beim Bau einer unterirdischen Garage gerät das Erdreich in Bewegung. Als Folge davon entstehen am Nachbargebäude Risse. Hier werden die Kosten für die Wiederherstellung des fremden Gebäudes und dessen Umgebung in den Zustand vor dem Schaden übernommen. Müssen die Nachbarn während der Reparaturarbeiten an einem anderen Ort untergebracht werden, zum Beispiel in einer Mietwohnung, sind diese Kosten ebenfalls gedeckt.

Beispiel:

Der Bauherr lehnt sich bei einem Kontrollgang an aufgestellte Bretter auf dem Dach. Diese fallen in die Tiefe und treffen eine vorbeigehende Fussgängerin. Mit der Bauherrenhaftpflichtversicherung sind die Heilungskosten sowie der Lohnausfall der verletzten Frau gedeckt.

Beispiel:

Wegen eines Kranumsturzes auf der Baustelle wird das Nachbarhaus stark beschädigt und zwei Personen werden verletzt. Die Personen erstatten Strafanzeige gegen den Bauherrn. In diesem Fall werden Anwaltskosten, Gerichts- und Verfahrenskosten sowie die Prozesskosten der Kläger übernommen, sofern vom Gericht zugesprochen.

Neben der Grundversicherung können nach Bedarf auch weitere Deckungen eingeschlossen werden, zum Beispiel eine Unfallversicherung für Besucher. Diese gilt für Kunden, Besucher und deren Begleitpersonen

Bauwesen

Die Bauwesenversicherung ist eine sogenannte All-Risks-Versicherung. Das bedeutet, dass unvorhergesehene Beschädigungen oder Zerstörungen am Bauprojekt versichert sind, die während der Vertragsdauer eintreten. Umbauarbeiten bis zu einer Bausumme von CHF 250’000 können in der Gebäudeversicherung eingeschlossen werden. Falls Sie diese Deckung bereits in Ihre Gebäudeversicherung integriert haben, brauchen Sie für Ihr An- oder Umbauprojekt also zusätzlich nur die Bauherrenhaftpflichtversicherung.

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Ein Bauarbeiter setzt Isolationsmaterial ein und trägt dabei Handschuhe.

Diese Deckung ist in vielen Kantonen bereits in der obligatorischen kantonalen Bauzeitversicherung (nach dem Bau: Gebäudeversicherung) enthalten und kann deshalb im Rahmen der Bauwesenversicherung nur in den Kantonen Uri, Schwyz, Appenzell Innerrhoden, Obwalden, Genf, Wallis, Tessin sowie im Fürstentum Liechtenstein abgeschlossen werden.

Die Bauwesenversicherung deckt jedoch in allen anderen Kantonen jene Bauleistungen, welche die kantonale Gebäudeversicherung ausschliesst, z.B. Baugrubensicherung oder Umgebungsarbeiten.

Beispiel:

Ein schwerer Hagelsturm hinterlässt Schäden am Rohbau sowie an einigen noch nicht verbauten Materialien. Mit dieser Deckung sind die Wiederherstellungskosten, die Aufräumarbeiten sowie der Ersatz der beschädigten Materialien gedeckt

Mit der Grunddeckung sind auch Wasserschäden versichert, die durch die Beschädigung von Leitungen, Rückstau aus der Kanalisation oder durch Grundwasser entstehen.

Beispiel:

Bei Bauarbeiten geht eine Wasserleitung kaputt. Das ausfliessende Wasser beschädigt den Rohbau. Gedeckt sind die Aufräumungs-, Material- und Arbeitsaufwandkosten.

Hier ist der Arbeitsfortschritt versichert – also die praktischen Arbeitsleistungen, welche Bauarbeiter, Handwerker und weitere am Bauprojekt Beteiligte erbringen.

Versichert sind alle Baustoffe und Bauteile, die für den Bau des Gebäudes verwendet werden.

Werden bereits eingebaute Bauteile gestohlen, sind diese durch die Diebstahl-Deckung versichert. Zusätzlich können Sie auch den Einbruchdiebstahl von Sachen, die nicht mit dem Bauwerk verbunden sind, versichern. Nicht versichert ist einfacher Diebstahl.

Schäden am Bauprojekt, die während der Bauphase durch Erdbeben oder vulkanische Eruptionen verursacht werden.

Mit dieser Zusatzdeckung können Baugerüste, Gerüstmaterial und Baustelleneinrichtungen versichert werden.

Bei versicherten Schäden werden die Aufräumungskosten in der Höhe von 10 Prozent der Bausumme übernommen. Möchten Sie sich über diesen Betrag hinaus absichern, können Sie dies über die Zusatzversicherung tun. Inbegriffen sind neben den Aufräumungsarbeiten auch die Kosten für die Schadensuche sowie den zur Schadenbehebung notwendigen Abbruch und Wiederaufbau von nicht beschädigten Bauwerksteilen.

Die Wiederherstellung der Baugrube ist Bestandteil der Grunddeckung, nicht jedoch der Ersatz von Bodenmassen. Solche zusätzlichen Kosten können über diese Deckung versichert werden. Elementarereignisse sind hier ebenfalls mitversichert.

Je nach Bedarf können weitere Deckungen dazugenommen werden, zum Beispiel innere Unruhen, Kratzer auf Verglasungen, Kosten, die durch Bauzeitverzögerung entstehen oder bestehende Bauten. Letzteres ist bei einer grösseren Haussanierung oder einem Anbau sinnvoll, da in der Bauversicherung nur die neu gebauten Teile gedeckt sind, das bestehende Haus jedoch nicht gedeckt ist.

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Tipps zum Versicherungsumfang

Der passende Versicherungsumfang für Ihr Bauprojekt hängt von vielen Faktoren ab: Wie hoch die Bausumme ist, ob Sie als Bauherr selbst am Bau beteiligt sind, welche Baumethoden angewendet werden, wie nahe die Nachbargebäude stehen, wie der Baugrund beschaffen ist, ob für das Bauprojekt Fels abgebaut werden muss usw. All diese Aspekte fliessen mit ein und werden im Rahmen einer Versicherungsberatung evaluiert.

Noch Fragen?

Wie viel kostet eine Bauversicherung?

Die Höhe der Bausumme bestimmt zum grössten Teil die Höhe der Prämie. Aber auch gewisse Risikofaktoren sowie der Versicherungsumfang werden mit einberechnet. Am einfachsten lässt sich die Prämie über eine persönliche Beratung ermitteln.

Wie berechnet man die Bausumme?

Die Bausumme lässt sich aus dem Baukostenplan, kurz BKP, Positionen 1 bis 4 (Vorbereitungsarbeiten, Gebäude, Betriebseinrichtungen, Umgebung) inklusive Mehrwertsteuer, Honoraren und Eigenleistungen des Bauherrn berechnen.

Wann sollte ich eine Bauversicherung abschliessen?

Im Idealfall sollten Sie sich bereits einige Wochen vor Baubeginn um die Bauversicherung kümmern. Dann können Sie die Kosten für die Prämie nämlich direkt im Baukostenplan mit aufnehmen.

Was muss ich bei einem Umbau in Bezug auf meine bestehenden Versicherungen beachten?

Melden Sie den Umbau in jedem Fall Ihrer bestehenden Gebäudeversicherung. Entsteht durch den Umbau ein Mehrwert, muss der Versicherungswert nämlich entsprechend angepasst werden, damit keine Unterversicherung entsteht.



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