Hypothekarzinsen: Was gilt es zu beachten?

Aktuelle Hypothekarzinsen: die Entwicklung der letzten Monate

22.06.2020 | 3 Minuten

Die Hypothekarzinsen machen im Budget von Hauseigentümern den grössten Kostenfaktor aus. Doch wie entwickeln sich die aktuellen und die künftigen Zinsen? Grundkenntnisse des Marktes helfen bei der richtigen Wahl.

Was die Hypotheken und die allgemeine Zinsentwicklung betrifft, erlebt die Schweiz eine historisch wohl einmalige Zeit. In den letzten 30 Jahren kannten die Zinsen fast nur eine Richtung: Von ein paar Ausschlägen abgesehen sind sie meistens nach unten gefallen. Seit den 1990er-Jahren ist damit die Finanzierung der eigenen vier Wände immer attraktiver geworden.

Ein erstes Mal hat die Finanzkrise von 2008, dann der Ausbruch der Corona-Krise 2020 die Märkte durcheinandergebracht. Aktuell versuchen die Staaten und die Notenbanken, Unternehmen sowie Banken mit milliardenschweren Hilfspaketen zu stützen. Zwar stiegen die Zinsen zwischenzeitlich stark an, da einige Marktteilnehmer ihre Liquiditätsengpässe durch den Verkauf von Regierungsanleihen deckten. Doch hierbei dürfte es sich lediglich um ein kurzfristiges Phänomen gehandelt haben.

Hypothekarzinsen: Hält der historische Tiefstand an?

Führende Experten diskutieren die längerfristige Entwicklung der Zinsen. Entscheidend ist vor allem die Frage, ob nun eine global steigende Staatsverschuldung und die Hilfsprogramme zu Inflation und damit zu steigenden Zinsen führen könnten. Wissenschaftliche Publikationen wie «low for long» (auf lange Sicht tiefe Zinsen) oder «low for ever» (tiefe Zinsen für immer) deuten auf eine längere Phase mit grundsätzlich tiefen Zinsen hin. Die Hypothekarzinsen dürften also noch länger auf einem sehr niedrigen Niveau verharren.

Ortsansicht in Interlaken.

Kurz erklärt: Hypothekarzinsentwicklung

Etwas vereinfacht gesagt, spielen die Inflation respektive die allgemeine Teuerung, die Wirtschaftsentwicklung und die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eine entscheidende Rolle. Rechnet eine Bank mit Inflation, wird diese Inflationsrate normalerweise in den Zinssatz eingerechnet. Die SNB ihrerseits beeinflusst die Zinsen und damit indirekt auch die Hypothekarzinsen über den Leitzins und die Geldmenge.

Libor- bzw. SARON-Hypotheken als Alternative unterscheiden sich im Kern dadurch, dass der Zins variabel ist. Der Zinssatz wird in der Regel alle drei Monate dem aktuellen Marktzins angepasst. So kann sich die Höhe des belasteten Kundenzinssatzes von Quartal zu Quartal ändern.

Libor- bzw. SARON-Hypotheken sind dann die richtige Wahl, wenn der Kunde grundsätzlich von tiefen Zinsen ausgeht. Allgemein gilt: In einer «normalen» Zinslandschaft sind Finanzierungen auf kurzfristiger Basis günstiger. Aus dem einfachen Grund, weil keine Kosten für eine Zinsabsicherung anfallen. Je nach Entwicklung der Hypothekarzinsen sollte man allerdings Liquidität verfügbar halten, falls sich die Hypothekarzinsen verteuern. Die Risikofähigkeit und -bereitschaft gelten bei Finanzierungen auf Basis des Libor bzw. SARON als wesentliche Voraussetzung. Wer sich dafür entscheidet, sollte auch die Entwicklung der Hypothekarzinsen aufmerksam verfolgen.

Eine Familie sitzt in ihrem Wohnzimmer.

Hypothekarzinsen: die Vorteile einer Festhypothek

Festhypotheken bieten demgegenüber eine Zinsabsicherung. Doch jedes zusätzliche Jahr Laufzeit kostet einen gewissen Zuschlag. Im aktuellen Zinsumfeld sind allerdings die Zuschläge historisch günstig. Es gab Phasen der Zinsentwicklung, als die Zuschläge pro Jahr zusätzliche Laufzeit bei zum Beispiel 0,2 Prozent lagen. Heute hingegen ist der Aufschlag für jedes Jahr zusätzliche Zinsabsicherung vergleichsweise gering.

Daraus leiten sich drei Schlussfolgerungen ab

  • Solange diese Rahmenbedingungen die Zinsentwicklung der Schweiz prägen, sind längerfristige Festhypotheken sehr attraktiv.
  • Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass sich die Hypothekarzinsen in den nächsten Jahren moderat entwickeln. Der Zinssatz der meisten Hypotheken bleibt historisch günstig.
  • Wer sich jetzt für einen längerfristigen Zins entscheidet, weiss schon heute, was er in den nächsten Jahren bezahlen muss.

Hypothekarzinsen: Welche Rolle spielen die Laufzeiten?

Die Verwirklichung des individuellen Wohntraums stellt für die meisten Menschen eine grössere Investition dar. Oft hat daher der Wunsch nach Budgetsicherheit und Planbarkeit Priorität. Das sind triftige Gründe, die für Festhypotheken sprechen.

Wer hingegen einer dynamischen und flexiblen Finanzierung den Vorzug gibt, entscheidet sich bei der Hypothek für kürzere Laufzeiten. Je nachdem ist natürlich auch eine Kombination mehrerer Laufzeiten möglich. Getreu nach der oft zitierten Börsenregel: «Nicht alle Eier in denselben Korb legen»

Auch die Lebensumstände sind zu berücksichtigen. Wer eher einen kürzeren oder mittleren Zeithorizont überblickt oder den Verkauf des Eigenheims in Betracht zieht, sollte keine Verträge mit acht oder zehn Jahren Laufzeit abschliessen. Eine nicht geplante Auflösung einer langfristigen Festhypothek kann unter gewissen Umständen teuer werden.

Prognose der Hypothekarzinsen

Die Hypothek zum Nulltarif wird es auch in der Schweiz nicht geben. Die Banken achten darauf, dass mit den Zinsen die Risiken und Kosten gedeckt sind. Der Zins für die eigenen vier Wände bleibt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit noch für viele Jahre attraktiv.


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