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Faktencheck: Wie stark beeinflusst Wohnen das Klima?

@Getty Images
23.03.2022 | 3 Minuten

Viele von uns wissen, dass sich Ernährung und das Konsumverhalten auf das Klima auswirken. Deshalb verzichten mittlerweile einige auf Fleisch und jagen nicht mehr jedem Fashion-Trend hinterher. Doch wie sieht es mit dem Zuhause aus?  Hat die Art und Weise wie man wohnt einen signifikanten Einfluss auf den Ausstoss von Treibhausgasen und somit die Umwelt?

Behauptung: Wohnen beeinflusst den ökologischen Fussabdruck.

Die bittere Wahrheit gleich zu Beginn: Ja, wer ein Dach über dem Kopf hat, schadet automatisch dem Klima. Nach Konsum, Mobilität und Ernährung steht Wohnen auf Platz vier der Liste mit den grössten Verursachern von Treibhausgasen. Unser Zuhause ist schweizweit für etwa einen Viertel der Umweltbelastung verantwortlich. Vor allem das Heizen und der generelle Energieverbrauch gehören zu den grössten Schadenfaktoren im Kontext Wohnen. Jährlich produziert die Schweizer Bevölkerung laut dem Bundesamt für Umwelt nur durch das Wohnen etwa 1,63 Tonnen CO2 und verbraucht 5000 Watt Energie. Wie sehr die eigenen vier Wände die Umwelt belasten, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Angefangen bei der Bauweise, über die bewohnte Fläche bis hin zur Art der Heizung, welche verbaut ist – all diese Faktoren beeinflussen den ökologischen Lebensstandard. Als Mieterin oder Mieter ist es vielfach schwierig, Einfluss auf diese Aspekte zu nehmen. Für Besitzerinnen oder Besitzer eines Eigenheims gibt es hingegen mehr Möglichkeiten, um den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren.

Der nachhaltige Grundstein wird schon beim Bau gelegt

Bereits beim Bau des Eigenheims wird Einfluss auf die Öko-Bilanz genommen. Der CO2-Ausstoss und die Energie, welche in diesem Prozess produziert beziehungsweise verbraucht werden, beeinflussen wie nachhaltig die Art zu wohnen schlussendlich sein wird. Beim Bau eines Hauses oder einer Wohnung werden eine Vielzahl an Ressourcen verbraucht. Ob es sich dabei um nachwachsende oder künstliche Stoffe handelt, beeinflusst den Fussabdruck ebenfalls. Holz beispielsweise ist um einiges nachhaltiger als Beton.

Auch im Nachhinein kann die Nachhaltigkeit einer Immobilie verbessert werden – selbst bei älteren Gebäuden: Dies beispielsweise durch eine gezielte Renovation oder Sanierung. In der Schweiz sind rund eine Million Häuser so schlecht isoliert, dass eine energetische Sanierung nötig wäre. Oft entsprechen beispielsweise Häuser, die vor 2000 errichtet wurden, nicht den heutigen Standards in Bezug auf Dämmungen (Quelle: energie-experten.org). Eine solche Investition kann den Energieverbrauch und somit den CO2-Ausstoss durch das Wohnen massiv reduzieren.

Jeder Quadratmeter beeinflusst die Emissionen

Die meisten Menschen in der Schweiz wünschen sich mehr Platz zum Wohnen – und dies nicht erst seit der Coronapandemie. Doch wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) festhält, steigen mit jedem zusätzlichen Quadratmeter auch die Treibhausgas-Emissionen. Besonders ausschlaggebend ist dabei, wie viele Leute gemeinsam eine Fläche bewohnen. Wer also die Ressourcen der Erde schonen möchte, dem empfiehlt es sich, über die Reduktion des Wohnraumes nachzudenken oder diesen mit anderen zu teilen. Die Empfehlung des BAFU liegt bei ca. 35m2 pro Person.

Ein zu warmes Zuhause wirkt sich negativ auf die Klimabilanz aus

Vielfach unterschätzt wird der Einfluss des Heizens auf die Klimabilanz. Pro Jahr und Person werden durch Heizen im Durchschnitt etwa 1,6 Tonnen CO2 ausgestossen. Besonders ins Gewicht fallen Erdölheizungen, mit einem Ausstoss von 4,7 Tonnen CO2 pro Jahr, und Erdgasheizungen, welche jährlich ungefähr 3,6 Tonnen CO2 produzieren. Wie der WWF erklärt, ist es umweltfreundlicher, direkt mit Solarenergie, einer Wärmepumpe, Pellets oder Holz zu heizen. Als Stockwerkeigentümerin oder Stockwerkeigentümer, können Sie auf die Wahl der Heizung nur eingeschränkt Einfluss nehmen. Anders sieht es aus, wenn Sie Hausbesitzer oder Hausbesitzerin sind. Wenn für Sie in diesem Fall ein Heizungswechsel in Frage kommt, ist es empfehlenswert sich über die Fördermassnahmen des eigenen Wohnkantons zu informieren. Einige Kantone unterstützen diese Vorhaben nämlich mit Fördergeldern.

Wer auf einfachere Art und Weise einen Beitrag leisten möchte, kann bereits viel erreichen, wenn die Heizung auch im Winter nicht voll aufgedreht wird, sondern nur so warm geheizt wird, wie es wirklich nötig ist. Wie der WWF beschreibt, reicht meistens schon eine Reduktion von zwei bis drei Grad für einen positiven Einfluss. Als Faustregel kann man sich merken, dass die Temperatur in den Innenräumen nie über 21 Grad steigen sollte.

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Ist Öko-Strom die Lösung für unser Klimaproblem?

Für den Laptop bei der Arbeit, das Laden des Smartphones oder auch den Fernsehabend: Energie wird heutzutage ständig und in grossen Mengen benötigt. Durch den Bezug von Öko-Strom lässt sich der CO2-Verbrauch bereits positiv beeinflussen. Wer nun aber Öko-Strom für nachhaltiges Wohnen bezieht, sollte sich bewusst sein, dass aus der Steckdose nicht unbedingt die nachhaltigere Alternative fliesst. Hierbei handelt es sich nämlich immer um einen Mix des gesamten Stromangebotes. Kohle-, Kern-, Wind-, Sonnen- und Wasserenergie – alles ist mit dabei, wenn Strom bezogen wird. Indirekt leistet eine Person, welche ökologischen Strom bezieht, aber dennoch einen wichtigen Beitrag. So wird nämlich die Nachfrage nach nachhaltigeren Alternativen erhöht, und die Anbieter werden diese entsprechend verstärkt fördern. Im Endeffekt wird der Strom-Mix in der Schweiz dadurch generell grüner. 

Die Anschaffung neuer Haushaltsgeräte lohnt sich

Nachhaltigeres Wohnen bedeutet, auch beim Energieverbrauch der Haushaltsgeräte genauer hinzuschauen. Ältere und ineffiziente Geräte wie Kühlschränke, Gefrierschränke, Waschmaschinen und Tumbler können wahre Stromfresser sein. Wer sein Eigenheim ökologisch aufrüsten möchte, sollte auch diese Geräte einmal genauer unter die Lupe nehmen. Seit 2021 gibt es in der Schweiz und der EU neue Energieeffizienzklassen. Jedes Haushaltsgerät verfügt über einen Kleber mit einer Skala, die angibt, wie effizient der Energieverbrauch des jeweiligen Gerätes ist. G steht für die schlechteste Kategorie und A+++ für die beste.

Fazit: Richtig, wohnen hat einen Einfluss auf den eigenen ökologischen Fussabdruck.

Neben Konsum und Ernährung ist die Art und Weise wie man wohnt tatsächlich ein erheblicher Faktor, der die Umwelt stark belasten kann. Das Positive daran: Eigenheimbesitzer und Eigenheimbesitzerinnen oder auch solche, die es noch werden möchten, haben viele Möglichkeiten, um den negativen Einfluss auf die Umwelt zu minimieren.


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